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Ev.-luth. St.Jürgen Kirche in List/Sylt, Kirchenweg

Pastor Karl-Uwe Reichenbächer
Frischwassertal 18
25992 List/Sylt
Tel. 04651/870417
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Saisonabschlußkonzert in der nördlichsten Inselkirche

11 11 07 - 13:31

Rieker


Unwirtlich gibt sich die Insel an diesem Novemberabend: in den Lüften heult der West, Regenböen peitschen über die Strassen, es ist finster und kalt. Saisonschluß – und Saisonabschlußkonzert in der nördlichsten Inselkirche, St.Jürgen in List. Wird sich bei diesem Wetter überhaupt jemand auf den Weg machen, um den warmen und weichem Kängen zu lauschen, für die die Bensmann-Orgel  berühmt ist?

Eine Dreiviertelstunde vor Konzertbeginn treffen die ersten Gäste ein. Fröhlich ist die Begrüssung: „Ja, wir sind auch Westfalen,“ sagt die ältere Dame, „und besuchen immer die Bach-Tage, die Martin Rieker leitet, und jetzt lasen wir, daß er heute hier ist.“ Der Solist des Abends, Bach-Spezialist Kirchenmusikdirektor Martin Rieker aus Halle/Westfalen, hört es und lächelt. Nach und nach treten immer mehr vermummte Gestalten durch die Kirchentür, freuen sich an dem Kerzenlicht und der anheimelnden Wärme in St. Jürgen.  Die letzten Glockenschläge verklingen, Martin Rieker tritt vor „sein“ Publikum und erläutert das Programm. „Bach und die Österreicher“, sagt er, „Warum? Nun,meine erste Kantorenstelle war in Wien,dort habe ich die österreichischen Orgelkomponisten kennen und schätzen gelernt.“ Auch etwa Modernes sei dabei – aber man möge nicht erschrecken, es sei noch gut anzuhören.
Dann klingen die ersten Akkorde auf. Zarte und dann wieder kräftige Melodielinien und Klangkaskaden erfüllen das Kirchschiff, virtuose Tastenläufe, fast gehauchte Passagen in den Bassstimmen.  Ganz konzentriert und versunken hören die Menschen zu. Nicht wenige schliessen die Augen, um sich ganz den Klängen hingeben zu können. Die Geborgenheit im Kirchenschiff von St. Jürgen, der warme Kerzenschein, die singenden Register der Orgel - das verzaubert. Manchmal huscht ein Lächeln über die Gesichter der Hörer. Martin Rieker weiß: Ein Orgelkonzert hat seine eigene Dramaturgie; man darf nicht nur Schweres bieten, der Zuhörer braucht zwischendurch auch Leichteres zur Entspannung. Flink huschen sein  Finger  über die beiden Manuale, eine letzte große Spannung baut sich auf – und mündet ein in die Harmonie des versöhnenden Schlußakkordes.
Stille, danach minutenlager Beifall, das Publikum will eine Zugabe. Was wird Rieker spielen? Natürlich: Johann Sebastian Bach. „Er ist einfach der Größte,“ hat er vor dem Konzert gesagt, und so spielt er als krönenden Abschluß noch einmal die Musik des Größten. Der Beifall verklingt, langsam strebt man dem Ausgang zu, tritt  hinaus in die Nacht. Ein Gast kommt noch einmal zurück. Hat er etwas vergessen? Nein, er zückt seine DigiCam, fotographiert  Kruzifx und  Altar von St. Jürgen. „Diesen Eindruck will ich mitnehmen,“ sagt er. „Schade, daß man solche Erlebnisse nicht öfter haben kann.“

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