Bericht: Abend am Meer und am Feuer 15.01.2010
16 01 10 - 20:40
Gemütliche Runde am Kamin im Lister Pastorat
Zwölf Frauen und Männer kamen am Freitag, dem 15. Januar, zum Abend am Meer und am Feuer im Lister Pastorat zusammen. Sie ließen sich den Flammkuchen und den Wein schmecken und hörten am lodernden Kamin Heiligenlegenden. Zunächst ging es, ganz naheliegend, um den Namenspatron der Kirchengemeinde List, St. Jürgen, der niederdeutschen Namensform von St. Georg. Der Heilige Georg gilt als Beschützer bei Kriegsgefahr, Fieber und Pest. Außerdem wird ihm nachgesagt, er sei Helfer gegen Versuchung und für gutes Wetter - klar, deshalb haben wir hier an der Nordspitze Deutschlands so häufig Sonnenschein! Und er wird als Beschützer der Haustiere erwähnt.
St. Jürgen (alias Georg) ist Streiter für den Glauben ohne Korruption. Im Gespräch haben wir festgestellt, dass Korruption in Politik und Gesellschaft leider auch heute bei uns vielfältig vorkommt. Da wollen wir uns den unbestechlichen St. Jürgen zum Vorbild nehmen. - Als Drachenkämpfer kommt Jürgen in den Legenden vor. Dabei steht der Drache symbolisch für alles Böse. Auch hier kann der Heilige für uns Orientierung bieten: statt uns vom Bösen überwinden zu lassen, wollen wir es besiegen. Jemandem aus dem Teilnehmerkreis fiel dazu die Mahnung der Vorsitzenden Bischöfin der EKD, Margot Käßmann ein, die öffentlich – und durchaus differenziert - betont hat, dass der Militäreinsatz der Bundeswehr in Afghanistan kritisch zu bewerten sei. Wie immer wir als Christinnen und Christen jeweils persönlich und damit auch politisch dazu stehen: gut ist, dass Kirche in der Gesellschaft ihr Wächteramt wahrnimmt, die Finger in die Wunde von umstrittenen Verhältnissen und Entscheidungen legt und die Verantwortlichen in die Pflicht nimmt, so wie Käßmann es getan hat. Erfreulich ist auch, dass Verteidigungsminister zu Gutenberg das Gespräch mit der Bischöfin gesucht hat und auf diese Weise eine Überprüfung der Afghanistanpolitik Deutschlands weiter angeschoben worden ist! ... So ist St. Jürgen also bei genauerer Beleuchtung anregend für unsere aktuellen Themen.
Des weiteren haben wir St. Anna als eine Heilige am 15. Januar näher kennen gelernt. Sie wurde deshalb gewählt, weil Martin Luther einer Legende zufolge noch vor der Reformation in einer Gewitternacht 1505 unter Anrufung dieser Heiligen den Schwur ablegte: „Hilf du, Heilige Anna, ich will ein Mönch werden!“
Grundsätzlich sind für uns Evangelische die Heiligen keine Mittler zwischen Gott und Mensch, denn wir beten selber direkt zu Gott und allein Christus, der Sohn Gottes selbst, sowie der Heilige Geist (Römer 8,26) treten für uns bei Gott ein. Dennoch steht es uns als evangelische Christinnen und Christen gut zu Gesicht, die katholische Heiligenverehrung grundsätzlich zu achten! So kennen auch wir Situationen, in denen wir selbst bisweilen andere Menschen darum bitten, für uns bei Gott „ein gutes Wort einzulegen“, etwa weil wir selbst gerade keine Kraft zum Gebet besitzen oder wir uns Fürsprecher wünschen, die solidarisch mit uns sind.
Der nächste „Abend am Meer und am Feuer“ findet am Freitag, dem 19. Februar 2010, 19.30 Uhr bis 22.30 Uhr im Lister Pastorat, Frischwassertal 18 statt. Dann geht es um „Dietrich Bonhoeffers Briefe aus dem Gefängnis“. Ich freue mich schon darauf! Anmeldungen erfolgen bitte unter Tel. 870417.
Karl-Uwe Reichenbächer